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Desinfektion
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Desinfektion macht einen wesentlichen Teil der antiseptischen Arbeitsweise aus. Laut dem Deutschen Arzneibuch (DAB) bedeutet Desinfektion: âtotes oder lebendes Material in einen Zustand versetzen, dass es nicht mehr infizieren kannâ.
Zur Desinfektion können chemische oder physikalische Verfahren eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Listen mit geprĂŒften Desinfektionsmitteln und -verfahren, in denen diese nach verschiedenen Einsatzbereichen aufgefĂŒhrt sind: Hygienische und chirurgische HĂ€ndedesinfektion, Hautantiseptik, FlĂ€chen-, Instrumenten-, WĂ€sche- und Raumdesinfektion sowie Desinfektion von AbfĂ€llen. Diese MaĂnahmen gehören zum Teil zur Basishygiene.
Technisch wird zwischen Desinfektion und Sterilisation unterschieden. Von Desinfektion spricht man bei einer Keimreduktion in einem festgelegten Testverfahren mit bestimmten PrĂŒfkörpern um einen Faktor von mindestens 10â5, das heiĂt, dass von ursprĂŒnglich 1.000.000 vermehrungsfĂ€higen Keimen (sogenannten koloniebildende Einheiten (KbE)) nicht mehr als zehn ĂŒberleben (Ausnahme: WĂ€schedesinfektionsverfahren: Keimreduktion um einen Faktor von mindestens 10â7). Auch zur Konservierung werden desinfizierende Verfahren angewandt.
Contents
âą Entsorgung
âą Oligodynamie
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
MaĂeinheit fĂŒr Keimreduktion
Eine log10-Stufe ist eine MaĂeinheit fĂŒr Keimreduktion um jeweils eine Zehnerpotenz: Eine log10-Stufe reduziert die vorhandene Keimmenge um 90 %; von der Ursprungspopulation 100 haben lediglich zehn ĂŒberlebt. Das HĂ€ndewaschen mit Seife entspricht zwei log10-Stufen und reduziert damit die Keimzahl um 99 %. Eine Desinfektion wird erst mit etwa vier bis sieben log10-Stufen erreicht.cite-ref-1[1]
Desinfektionsplan
Der Desinfektionsplan regelt die Einzelheiten der Reinigung, Desinfektion und Sterilisation mit detaillierten Indikations-, Produkt- und Dosierangaben sowie Einwirkzeiten. Er ist Teil des Hygieneplans, den Gesundheitseinrichtungen aus InfektionsschutzgrĂŒnden vorhalten mĂŒssen. In Gesundheitseinrichtungen mit sehr geringem Leistungsumfang kann der Reinigungs- und Desinfektionsplan die Minimalvariante eines Hygieneplans darstellen.cite-ref-2[2]
Chemische Desinfektionsmittel
Desinfektionsmittel sind chemische Substanzen zur FlĂ€chen-, Instrumenten- oder Hautdesinfektion sowie zur Wasserentkeimung. Je nach Krankheitserreger (z. B. Bakterien, Viren, Pilzen, Sporen) spricht man diesbezĂŒglich von Bakteriziden, Viruziden (siehe auch Virusinaktivierung), Fungiziden und Sporiziden (siehe auch Biozid und antimikrobielle Substanzen). Sie sind zu unterscheiden von Arzneimitteln wie Antibiotika, Virustatika und Antimykotika, auch wenn diese teilweise ebenfalls oberflĂ€chlich eingesetzt werden können.
Oxidationsmittel als Wirkstoffe
Alle Stoffe, die als Oxidationsmittel Sauerstoff abspalten, sind bakterizid und wirken sowohl gegen behĂŒllte wie auch unbehĂŒllte Viren. Gegen Pilze, Sporen und Tuberkuloseerreger sind sie nur teilweise und in begrenztem Umfang effektiv (siehe folgende Tabelle).
| Wirkstoff | Sporen | Anwendung |
|---|---|---|
| PeressigsÀure | sporizid | OberflÀchen, Instrumente |
| Chlordioxid | schnell sporizid | OberflÀchen, Instrumente, Wasser |
| Wasserstoffperoxid | langsam sporizid | OberflÀchen, Instrumente, Wasser , Haut, Schleimhaut |
| Natriumhypochlorit | sporizid | OberflÀchen, Instrumente, Wasser, Haut |
| Chlor | langsam sporizid | Wasser, Instrumente |
| Ozon | langsam sporizid | Wasser, Instrumente; Ozon fĂŒr Fahrzeuge |
| Chloramin T | sporizid | OberflÀchen, Wasser, Instrumente, Haut, Schleimhaut |
| Iod | langsam sporizid | Haut, Schleimhaut |
Jodtinktur wurde 1908 von Antonio Grossich (1849â1926) zur Desinfektion der Patientenhaut vor Operationen in die Chirurgie eingefĂŒhrt.cite-ref-3[3] Wasserstoffperoxid (H2O2) ist als dreiprozentige wĂ€ssrige Lösung zur Desinfektion von Haut und Schleimhaut geeignet, weil es nur Organismen an der OberflĂ€che tötet, im Gewebe hingegen durch Katalase/Peroxidase zersetzt wird. In höheren Konzentrationen (meist 30 %) wird es in Medizin, Pharmazie und Lebensmittelherstellung zur Sterilisation von Instrumenten und BehĂ€ltern eingesetzt. Die Begasung von RĂ€umen und raumlufttechnischen Anlagen zu Dekontaminationszwecken mit H2O2 kann bei ErfĂŒllung bestimmter Anforderungen eine wirksame Alternative zum Einsatz von Formaldehydgas darstellen.cite-ref-4[4]
Weitere Wirkstoffe
| Wirkstoff | Bakterien | Tuberkulose | Sporen | Pilze | Viren | Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Aldehyde ( Formaldehyd , Glutaraldehyd /1,5-Pentandial) | bakterizid | tuberkulozid | sporizid | fungizid | viruzid (behĂŒllt und unbehĂŒllt) | Raum-, GerĂ€te- und FlĂ€chendesinfektion |
| Ethylenoxid | bakterizid | ? | sporizid | fungizid | viruzid | OberflÀchen, Instrumente, thermolabile Arzneimittel, [ 5 ] Lebensmittel |
| Alkohole (bspw. Ethanol , 1-Propanol ) | bakterizid | tuberkulozid | wirkungslos | fungizid | teilweise viruzid (nur behĂŒllt) | Haut, Schleimhaut, OberflĂ€chen, Instrumente |
| Phenole ( Chlorxylenol , Triclosan ) | bakterizid/ bakteriostatisch | ? | wirkungslos | fungizid | viruzid (variabel) | Haut, Schleimhaut, OberflÀchen, Instrumente |
| Stickstoffverbindungen (z. B. quartÀres Ammoniumsalz bspw. Benzalkoniumchlorid ) | bakterizid (eingeschrÀnkt bei Gram-negativen ) | ? | wirkungslos | fungistatisch | teilweise viruzid | Haut, Schleimhaut |
| Weitere Detergentien (bspw. auch Tenside wie Cetyltrimethylammoniumbromid ) | bakterizid (variabel) | ? | wirkungslos | fungistatisch | wirkungslos | Haut, Schleimhaut |
| Chlorhexidin | bakteriostatisch | ? | wirkungslos | fungistatisch | virustatisch | Haut, Schleimhaut |
| Guanidinderivate (bspw. Cocospropylendiaminguanidiniumacetat) | bakterizid | ? | sporizid | fungizid | virustatisch | OberflÀchen, RÀume |
| Octenidin (Octenidindihydrochlorid, oft in Kombination mit Phenoxyethanol ) | bakterizid | tuberkulozid | wirkungslos | fungizid | viruzid | Haut, Schleimhaut |
| Polyhexanide | bakterizid | tuberkulozid | wirkungslos | wirkungslos | viruzid (behĂŒllt und unbehĂŒllt) | Haut, Schleimhaut |
| Kupfer , organische Quecksilberverbindungen , Silber | bakterizid | wirkungslos | wirkungslos | wirkungslos | wirkungslos | Silber: Infektionsprophylaxe in Wundauflagen, Beschichtung von Kathetern, Wasserentkeimung |
Legende: ï»żwirkungsvoll / ï»żeingeschrĂ€nkt, variabel, teilweise oder nur statisch wirksam / ï»żwirkungslos
Auch viele Tenside, insbesondere kationische Tenside wie Benzalkoniumchlorid haben eine biozide Wirkung.
Sporizide
Ein Wirkstoff, der Sporen keimunfĂ€hig machen kann, ist ein sporizider Wirkstoff bzw. ein Sporizid. Zu den Sporiziden gehören die in der Tabelle aufgefĂŒhrten Wirkstoffe wie PeressigsĂ€ure, Wasserstoffperoxid, Ozon und Natriumhypochlorit. Es sind stark reagierende bzw. schnell zerfallende Oxidationsmittel. Sie mĂŒssen gegen WĂ€rme und Licht geschĂŒtzt aufbewahrt und chemisch stabilisiert werden, falls sie nicht gleich nach der Herstellung zur Desinfektion eingesetzt werden sollen.
Wasserstoffperoxid bildet mit PeressigsĂ€ure und EssigsĂ€ure eine âschnellâ sporizide Mischung, die durch die EssigsĂ€ure stabilisiert wird. Solche Mischungen werden nur im professionellen Bereich â Reinraumtechnik â eingesetzt. Als Beimischung zu Alkoholen kann Wasserstoffperoxid deren Wirkung bei der HĂ€ndedesinfektion verbessern.
Sporizide Desinfektionsmittel benötigen eine Mindesteinwirkzeit, um die panzernde HĂŒlle der Spore zu durchdringen. Diese erforderliche Einwirkdauer ist dann das MaĂ fĂŒr seine Effizienz als Sporizid.cite-ref-6[6]
Eine Sporizidie wird nach der EN Norm 13704 mit Sporen von Bacillus subtilis getestet. Damit ein Wirkstoff bzw. Desinfektionsmittel als sporizid eingestuft werden kann, muss eine 3-log-Reduktion bei Sporen hervorgerufen werden.
Testverfahren fĂŒr chemische Desinfektionsmittel
Die PrĂŒfungen und Testverfahren fĂŒr Desinfektionsmittel sind sehr zahlreich und unterscheiden sich erheblich in ihren rechtlichen Vorgaben und DurchfĂŒhrungen voneinander.
Je nach Einsatzgebiet und Wirkspektrum kommen explizite genormte Verfahren zum Einsatz. (z. B. als Biozide in der Human- und VeterinÀrmedizin oder der Lebensmittelindustrie, sowie als Pestizide Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft)
Tiefergehend wird bspw. separiert nach:
⹠der Anwendung (auf der Haut- u. Schleimhaut, OberflÀchen, Instrumenten, im Trinkwasser, als Medizinprodukt oder Arzneimittel etc.)
âą der Form (Spray, fertige Lösung, getrĂ€nkte TĂŒcher, Pulver, Gel, Schaum etc.)
âą der Applikationsmethode (SprĂŒh- oder Wischdesinfektion, Luftfiltration, Vernebelung etc.)
Nach EU Biostoffverordnung Nr. 388/2012 bietet die EN 14885 einen Ăberblick ĂŒber zu erfĂŒllende Normen im bioziden (Humanen) Einsatzbereich. Bei der Auswahl des richtigen Mittels und der Art der Anwendung sollte unbedingt fachlicher Rat eingeholt werden, um gesundheitlich schĂ€digende Wirkungen zu vermeiden und die Wirksamkeit des Mittels sicherstellen zu können!
Zur PrĂŒfung von FlĂ€chendesinfektionsmitteln werden nach der EuropĂ€ischen Norm CEN TC 216 WG1 und WG3 Testorganismen eingesetzt.
| Auslobung | Testorganismen | Phase 2 Stufe 1 | Phase 2 Stufe 2 |
|---|---|---|---|
| Bakterizid | Pseudomonas aeruginosa , Staphylococcus aureus , Enterococcus hirae | EN 13727 | EN 13697 |
| Fungizid , Levurozid | Candida albicans , Aspergillus brasiliensis | EN 13624 | EN 13697 |
| Mykobakterizid | Mycobacterium terrae, Mycobacterium avium | EN 14348 | EN 14563 |
| sporizid | Sporen von Bacillus subtilis | EN 13704 | â |
| Tuberkulozid | Mycobacterium terrae | EN 14348 | â |
| Viruzid | Poliovirus , Adenoviridae , Murines Norovirus | EN 14476 | â |
In der Phase 2 / Stufe 1 werden in einem quantitativen Suspensionsversuch zunĂ€chst in-vitro unter praxisnahen Bedingungen auf nicht-porösen OberflĂ€chen die mikrobioziden Eigenschaften geprĂŒft. Diese Tests werden ohne den Einfluss manueller oder maschineller Reibung und Druck durchgefĂŒhrt und geben noch keine Auskunft ĂŒber die Wirksamkeit bei praktischer Anwendung. Sie bilden allerdings die Grundlage fĂŒr die DurchfĂŒhrung der folgenden Phase 2 / Stufe 2 Testverfahren.
In der Phase 2 / Stufe 2 wird die vom Hersteller ausgelobte Wirksamkeit fĂŒr die praktische Anwendung im Einsatzgebiet geprĂŒft. Dazu muss das Mittel in der EU nachweisen, ob es in Kombination mit einem Wischtuch in der Lage ist, eine mit einem Test-Keim kontaminierte ProbeflĂ€che ausreichend zu desinfizieren. (EN 16615)
Entsorgung
FĂŒr die korrekte Entsorgung von Desinfektionsmitteln ist deren Konzentration relevant. In gebrauchsfertigen Lösungen, wie bspw. FlĂŒssigkeiten, Sprays oder TĂŒchern, die fĂŒr die Hand- oder Hautdesinfektion genutzt werden, ist der desinfizierende Wirkstoff stark verdĂŒnnt. Gleiches gilt fĂŒr Gebrauchslösungen, die bei der FlĂ€chen- oder Instrumentendesinfektion z. B. in KrankenhĂ€usern, Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen angewendet werden. FĂŒr die korrekte Entsorgung sind vorhandene Herstellerinformationen laut Sicherheitsdatenblatt zu berĂŒcksichtigen.cite-ref-7[7] Bei den gebrauchsfertigen, stark verdĂŒnnten Lösungen findet meist die AbfallschlĂŒsselnummer 180107 (ChemikalienabfĂ€lle) Anwendung.cite-ref-8[8]
Anders verhĂ€lt es sich bei Konzentraten: diese mĂŒssen als gefĂ€hrlicher Abfall entsorgt werden. Die Sammlung muss in dicht verschlossenen SpezialbehĂ€ltern erfolgen. Der Transport ist nach Gefahrgutrecht zu organisieren. Die Entsorgung erfolgt mit der Kennzeichnung als gefĂ€hrlicher Abfall mit Sammel- bzw. Einzelentsorgungsnachweis.cite-ref-9[9]
Probleme beim Einsatz von chemischen Desinfektionsmitteln
Resistenzen
Desinfektionsmittel mĂŒssen professionell und strategisch verwendet werden. Eine gewohnheitsmĂ€Ăige Anwendung im Haushaltcite-ref-10[10] ist dagegen eher nachteilig. UnsachgemĂ€Ăe Anwendung kann zu Resistenzen fĂŒhren, wenn insbesondere Wirkstoffkonzentration und Einwirkzeit und damit der Keimreduktionsfaktor zu gering sind (Selektion robuster StĂ€mme). Oft weisen gegen Desinfektionsmittel widerstandsfĂ€hige Bakterien auch eine erhöhte Antibiotikaresistenz auf. Aus Sicht des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (BfR) sollten daher im Privathaushalt Desinfektionsmittel nur in begrĂŒndeten AusnahmefĂ€llen verwendet werden. Dazu gehören medizinisch begrĂŒndete Situationen, in denen Desinfektionsmittel nach Ă€rztlicher Beratung eingesetzt werden.cite-ref-11[11]
SchÀdigung der Haut
GewohnheitsmĂ€Ăige Anwendung von Desinfektionsmitteln zur Reinigung der HĂ€nde im Haushalt kann neben die Gesundheit bedrohenden Keimen gleichzeitig die Hautflora zerstören, welche z. B. gegen Dermatosen schĂŒtzt. Verwendet man stattdessen nur Seife o. Ă€., so wirken die enthaltenen Tenside weniger desinfizierend (mikrobiozid), als dass sie die Wasserlöslichkeit von Verschmutzungen erhöhen. Seife entfernt eher den zuletzt von auĂen eingetragenen Schmutz als die dauerhaft vorhandene und erhaltenswerte Hautflora.
Angemessene Haut- bzw. HĂ€ndedesinfektion in der Medizin schĂ€digt die Hautflora dagegen nicht nachhaltig. Nur eine relativ geringe Zahl der Hautflora-Mikroben wird getötet. Die lokal dezimierte Hautflora regeneriert sich bald. Die Kombination von ĂŒbermĂ€Ăigem Waschen mit Seife vor der HĂ€ndedesinfektion und der Desinfektion selbst kann die Hautflora jedoch nachhaltig schĂ€digen, da ein groĂer Teil der Hautflora im fettartigen Talg der Haarfollikel (Haarbalg) siedelt. Vor tensidfreien oder tensidarmen Desinfektionsmitteln sind diese Mikroben geschĂŒtzt, die Desinfektion zerstört nur von den Haaren weiter entfernte Mikroben. Diese werden in den folgenden Stunden bzw. Tagen durch Ausbreitung der in den Haarfollikeln gebildeten Keime ersetzt. ĂbermĂ€Ăiges Waschen der HĂ€nde mit Seife löst dagegen den schĂŒtzenden Talg. Eine anschlieĂende HĂ€ndedesinfektion zerstört dann auch die Keime im Haarfollikel, aus denen sich die umliegende Hautflora sonst regenerieren wĂŒrde.
Auswirkungen auf die Umwelt
Wenn Desinfektionsmittel bedenkenlos im Haushalt eingesetzt werden oder Reste davon nicht richtig entsorgt werden, gelangen sie in FlĂŒsse oder KlĂ€ranlagen und stören dort das wichtige Zusammenspiel einer Vielzahl von Bakterienarten, wodurch die Reinigungswirkung (in den KlĂ€rbecken oder in den GewĂ€ssern) herabgesetzt wird. Viele Desinfektionsmittel (z. B. Phenol) wirken zudem ökotoxisch auf GewĂ€sser.cite-ref-12[12]
Weitere âNebenwirkungenâ von Desinfektionsmitteln
Bei allen Desinfektionsmitteln geben die auf dem Etikett befindlichen Gefahrenpiktogramme und -hinweise Auskunft ĂŒber spezifische Gefahren der Substanz. Viele dieser Mittel sind Ă€tzend, reizen die Haut und/oder SchleimhĂ€ute, oder sie sind entflammbar oder sogar explosiv oder können in Mischung mit anderen Haushaltsreinigern giftiges Chlorgas freisetzen.cite-ref-13[13] DarĂŒber hinaus sind manche Desinfektionsmittel humantoxisch oder karzinogen (Aldehyde, Phenol), und manche können Allergien hervorrufen. Oxidierende Wirkstoffe wie Peroxide oder Halogene können bestimmte Metalle angreifen.
Physikalische Desinfektionsmittel
Thermische Desinfektion
â
Hauptartikel
:
Pasteurisierung
,
Thermische Sterilisation
und
Ultrahocherhitzung
Die meisten lebenden Krankheitserreger (Mikroorganismen) lassen sich durch ein Erhitzen mit ausreichend hohen Temperaturen abtöten. Dies ist z. B. ein ĂŒbliches Verfahren bei der Haltbarmachung von Milch und anderen Lebensmitteln (Einkochen).
Desinfektion durch Bestrahlung
â
Hauptartikel
:
UV-Desinfektion
und
Lebensmittelbestrahlung
Ebenfalls ist eine Desinfektion durch ionisierende Strahlung, wie UVC-Licht oder Gammastrahlen, möglich. Die Photoinaktivierung verwendet sichtbares Licht in Kombination mit Farbstoffen.
Mechanische Desinfektion
â
Hauptartikel
:
Lyse (Biologie)
,
Zellaufschluss
und
Membrantechnik
Auch durch die mechanische Zerstörung oder Filterung von Krankheitserregern kann ein Medium desinfiziert werden. Dies findet etwa durch Homogenisierung, Ultraschall, Mikro- und Ultrafiltration statt.
Plasmadesinfektion
Die Anwendung von Niedertemperaturplasma (TTP) ist eine Technologie zur Desinfektion mit kaltem Plasma, die bei einer Temperatur von unter 100 °C zeitsparend auch antibiotikaresistente Erreger sogar durch die Kleidung abtöten kann. Sie eignet sich zum Beispiel zur Desinfektion von Luft, OberflĂ€chen, GegenstĂ€nden, zur Handdesinfektion und zur Behandlung von schlecht heilenden chronischen Wunden.cite-ref-plasma-14-0[14] Bei in-vitro-Versuchen konnte nicht nur eine abtötende Wirkung gegenĂŒber Bakterien, sondern auch gegenĂŒber Viren und Pilzen beobachtet werden. Es erscheint daher eine Behandlung mit TTP bei Mykosen wie beispielsweise auch bei FuĂpilz als möglich, was jedoch erst noch durch weitere Studien bestĂ€tigt werden muss.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Oligodynamie
â
Hauptartikel
:
Oligodynamie
Metall-Kationen wie Quecksilber, Silber und Kupfer zeigen ebenfalls eine desinfizierende Wirkung auf viele Krankheitserreger.
Desinfektion von FlĂŒssigkeiten
Die Desinfektion von AbwĂ€ssern, Trinkwasser oder flĂŒssigen Medien kann durch verschiedene Verfahren erfolgen. Man unterscheidet grundsĂ€tzlich zwischen chemischen und physikalischen Verfahren zur Desinfektion.
⹠Besonders gebrÀuchliche chemische Verfahren basieren auf der Zugabe von Chlor, Chlordioxid, Wasserstoffperoxid, Dimethyldicarbonat (Kaltentkeimung), Silberionen (Oligodynamie) oder Ozon.
⹠GebrÀuchliche physikalische Verfahren basieren auf dem Erhitzen des Mediums (Pasteurisation oder Dampfdruck im Autoklaven) oder der Bestrahlung mit UV-Licht.
âą Neuartig ist die katalytische Entkeimung mit einem Vollmetallkatalysator in Gegenwart geringer Mengen Wasserstoffperoxid.cite-ref-17[17]
Desinfektion von Trinkwasser in Deutschland
AuĂer dem § 37 des Infektionsschutzgesetzes fordert die Trinkwasserverordnung (TrinkV 2001) in § 6 die Freiheit des Trinkwassers von Krankheitskeimen. DarĂŒber hinaus sind die anerkannten Regeln der Technik, die in der DIN-Vorschrift 1988 und in DVGW-Vorschriften festgeschrieben sind, zu beachten, ArbeitsblĂ€tter W 551 âTechnische MaĂnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstumsâ und W 553 âBemessung von Zirkulationssystemen in zentralen TrinkwassererwĂ€rmungsanlagenâ, sowie die VDI-Vorschrift 6023 âHygiene in Trinkwasser-Installationenâ. ZulĂ€ssige Stoffe und Verfahren zur Abwehr sind in einer aktualisierten Liste des Umweltbundesamtes nach § 11 Trinkwasserverordnung 2001 beschrieben.cite-ref-18[18]
Thermische Verfahren
Dazu sind alle Zapfstellen fĂŒr drei Minuten mit heiĂem Wasser von 70 °C zu betreiben.
Chemische Verfahren
Meist wird mit Chlor, Chlordioxid, oder Natrium- und Calciumhypochloritlösungen desinfiziert, wegen des hohen Aufwandes wird Ozon seltener in der Trinkwasserhygiene genutzt. Dabei ist die Dosierung von Chlorgaslösungen oder der Zusatz von Natrium- und Calciumhypochloritlösungen erlaubt. Zudem kann Chlor vor Ort elektrolytisch hergestellt und dosiert werden oder es wird vor Ort eine Chlordioxidlösung hergestellt und zugesetzt. Ozon und Ozonlösungen sind ebenfalls vor Ort zu erzeugen und in geeigneter Menge zuzusetzen. Nach § 6 der Trinkwasserverordnung darf nur die minimale Menge an Desinfektionsmitteln zugesetzt werden. Die Kaltentkeimung wird zur Desinfektion von manchen GetrÀnken verwendet.
UV-Desinfektion
Durch Bestrahlen mit UVC bei 254 nm werden Bakterien inaktiviert, allerdings können Legionellen in Amöben ĂŒberleben. Zur Verbesserung der Wirkung kann zusĂ€tzlich Ultraschall genutzt werden. Bei der UV-Desinfektion von Abwasser mĂŒssen allfĂ€llig vorhandene suspendierte Feststoffe zur Reduktion der TrĂŒbung im Vorfeld abfiltriert werden.
Bei SODIS wird lÀnger einwirkende UV-A-Strahlung der Sonne zusammen mit der WÀrme zur einfachen Wasserentkeimung auf Haushaltsebene in EntwicklungslÀndern genutzt.
Membrantechnik
Zunehmend werden auch Membranen zur Entfernung von Mikroorganismen benutzt. Mit Mikro- und Ultrafiltration lassen sich bei einer PorengröĂe von kleiner als 0,2 ”m auch Bakterien, teilweise sogar Viren ausfiltern. Ultrafiltrationsanlagen mit einer Trenngrenze von 0,02 ”m sowie einer integrierten, tĂ€glichen PrĂŒfung der Membran auf Defekte sind in den Vereinigten Staaten von Amerika als Desinfektionsverfahren im Trinkwasser zugelassen.cite-ref-19[19] FĂŒr solche Anlagen wird in den USA der Nachweis fĂŒr vollstĂ€ndige Entfernung von Bakterien, Viren und Parasiten gefordert, der tĂ€gliche durchzufĂŒhrende Test muss in der Lage sein, langfristig vollstĂ€ndige Entfernung von Bakterien und Parasiten zu gewĂ€hrleisten.
Siehe auch
:
Mikrofiltration
und
Ultrafiltration
Rechtliche Klassifizierung in Deutschland
Die Herstellung und Verwendung von Desinfektionsmitteln werden durch Gesetze wie das Arzneimittelgesetz geregelt. Die Produkteinstufung ist aber relativ komplex, denn sie richtet sich immer nach der spezifischen Anwendung, teilweise aber auch nach den Inhaltsstoffen. Ethanol beispielsweise kann in jede Produktkategorie fallen, je nach spezieller Desinfektionsanwendung:
âą Arzneimittelrecht
âą Desinfektionsmittel sind Humanarzneimittel, wenn sie am Menschen angewendet werden zur Vorbeugung oder Behandlung von Infektionserkrankungen (beispielsweise Ethanol zur Desinfektion bei einer Blutentnahme).
⹠Desinfektionsmittel sind Tierarzneimittel, wenn sie am Tier angewendet werden zur Vorbeugung oder Behandlung von Infektionserkrankungen oder wenn sie angewendet werden, um GerÀte antiseptisch zu machen, bevor diese GerÀte mit dem Tier in Kontakt kommen oder den tierÀrztlichen Behandlungsbereich antiseptisch zu machen (beispielsweise Ethanol zur Desinfektion einer Wunde).
âą Medizinprodukterecht
⹠Desinfektionsmittel sind Medizinprodukte, wenn sie angewendet werden, um Medizinprodukte oder den humanÀrztlichen Behandlungsbereich antiseptisch zu machen (beispielsweise Ethanol zur Desinfektion eines Katheters und OP-Bestecks oder Alkohol zur Desinfektion des Arbeitsbereiches).
âą Biozidrecht
⹠Desinfektionsmittel sind Biozide, wenn sie zur FlÀchen- und Raumdesinfektion im klinischen, öffentlichen (z. B. im Schwimmbad) oder privaten Bereich eingesetzt werden sollen, um Infektionen zu verhindern. Da sie seit einigen Jahren einem Zulassungsverfahren unterliegen, kann die Verwendung einzelner Produkte auf bestimmte Personengruppen beschrÀnkt sein (z. B. beruflich Qualifizierte, Desinfektoren).
Hand- und Hautdesinfektionsmittel fallen EU-weit ebenfalls unter die Zulassung gemÀà EU-Biozidverordnung, sind in Deutschland aber weiterhin ein Streitfall zwischen dem Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn und der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) in Dortmund.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]
Die VDI 6022 enthĂ€lt die anerkannten Regeln der Technik fĂŒr Raumluft- und Klimatechnik.
Siehe auch
Literatur
âą Liste der vom Robert Koch-Institut geprĂŒften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 46(1), 2003, S. 72â95, ISSN 1436-9990
âą M. Klade, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle GefĂ€hrdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene. Eine vergleichende Bewertung. In: Krankenhaus Hygiene und InfektionsverhĂŒtung. Band 24, Nr. 1, 2002, S. 9â15, ISSN 0720-3373
âą Udo Eickmann, Jochen TĂŒrk, Renate Knauff-Eickmann, Kerstin Kefenbaum, Monika Seitz: Desinfektionsmittel im Gesundheitsdienst. Informationen fĂŒr eine GefĂ€hrdungsbeurteilung. In: Gefahrstoffe â Reinhaltung der Luft, 67(1/2), 2007, S. 17â25, ISSN 0949-8036.
âą G. E. McDonnell: Antisepsis, Disinfection, and Sterilization: Types, Action, and Resistance. Blackwell Publishing, 2007, ISBN 978-1-55581-392-5.
âą S. Block: Disinfection, Sterilization, and Preservation. Edition: 5. Lippincott Williams & Wilkins, 2001, ISBN 0-683-30740-1, S. 220.
âą R. Walter, K. BĂŒsching, H. Lausch: Wasserentkeimung mit Vollmetallkatalysatoren und Wasserstoffperoxid. In: Wasser, Boden, Luft. 1â2/2005, S. 30.
âą J. Koppe, S. Winkens: VollumfĂ€ngliche Einhaltung der VDI 6022 â Möglich durch Festkörper-Katalysatoren bei der H2O2-Desinfektion von Luftbefeuchtern.
âą G. Franke, J. Koppe, M. Raulf-Heimsoth, R. Walter, M. Weinkamp, R. Weyandt: MOLÂźCLEAN-Verfahren â eine hygienische Alternative zu konventionellen Bioziden. Vortrag, gehalten am 9. November 2001 in MĂŒnchen auf dem 3. Symposium âRaumklima in der Wendeâ.
⹠M. Christian: Desinfektion. Berlin (= Sammlung Göschen. Band 546)-
âą Bekanntmachung, betreffend die Instruktion zur AusfĂŒhrung der §§. 19 bis 29 des Gesetzes vom 23. Juni 1880 / 1. Mai 1894 ĂŒber die Abwehr und UnterdrĂŒckung von Viehseuchen. Anlage A. Anweisung fĂŒr das Desinfektionsverfahren bei ansteckenden Krankheiten der Hausthiere. (Deutschland, 1895).
Weblinks
Wiktionary: Desinfektion
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Liste der vom Robert Koch-Institut geprĂŒften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (PDF; 1 MB)
âą Wiener Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES
âą Deutsche Gesellschaft fĂŒr Hygiene und Mikrobiologie
âą Kerzen mit Ă€therischen Ălen können Mikroben vernichten. In: Bild der Wissenschaft. 21. Juni 2004
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Allgemeine ErlĂ€uterungen zum Hygieneplan unterschiedlicher Gesundheitseinrichtungen. Gesundheitsdienst der Stadt Wien, Fachbereich Aufsicht und QualitĂ€tssicherung. Stand: November 2011@1@2Vorlage:Toter Link/www.wien.gv.at (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2024. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; abgerufen am 17. MĂ€rz 2019.
cite-note-33. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 59.
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cite-note-51. Hygiene und Desinfektion in Klinik und Haushalt â eine EinfĂŒhrung. (Memento vom 2. Dezember 2012 im Internet Archive) (PDF, 125 kB). FLUGS-Fachinformationsdienst am Helmholtz Zentrum MĂŒnchen, Deutsches Forschungszentrum fĂŒr Gesundheit und Umwelt, Stand MĂ€rz 2004, S. 3.
cite-note-66. â Dieser Abschnitt beruht hinsichtlich chemischer Einzelheiten wieder auf Pflege-Desinfektionsmittel, in Hinsicht auf Sporen auf: Jörg Dressler, Peter Koger: Sporen und Sporizide â der besondere Zweikampf im Sterilbereich. Steriltechnik 1/2003, GIT Verlag, Darmstadt, S. 29â32.
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cite-note-99. â Nachweisverordnung (NachwV): NachweisfĂŒhrung bei der Entsorgung von AbfĂ€llen. In: Abfallmanager Medizin. Abgerufen am 15. Oktober 2019 (deutsch).
cite-note-1010. â Der Abschnitt ĂŒber Risiken von Desinfektionsmitteln behandelt vor allem die Problematik der Anwendung im Haushalt im Gegensatz zur professionellen Anwendung im medizinisch-pflegerischen Bereich oder in der Reinraumtechnik. Zugrunde liegt die Darstellung in: FLUGS: Hygiene und Desinfektion in Klinik und Haushalt â eine EinfĂŒhrung, FLUGS-Fachinformationsdienst am Helmholtz Zentrum MĂŒnchen, Deutsches Forschungszentrum fĂŒr Gesundheit und Umwelt, Stand MĂ€rz 2004.
cite-note-1111. â Fragen und Antworten zu Nutzen und Risiken von Desinfektionsmitteln im Privathaushalt - BfR. Abgerufen am 20. Februar 2024.
cite-note-1212. â Daniel BĂŒrgi, Lars Knechtenhofer, Isabel Meier, Walter Giger: Biozide als Mikroverunreinigungen in Abwasser und GewĂ€ssern: Priorisierung von bioziden Wirkstoffen. Studie im Auftrag des BAFU und ERZ, 2007 (Download (Memento vom 1. Januar 2013 im Webarchiv archive.today))
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cite-note-2121. â Desinfektionsmittel â ein Markt im Wandel. (Memento des Originals vom 17. April 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.management-krankenhaus.de In: Management & Krankenhaus kompakt. 8. September 2015, S. 10 f.; abgerufen am 16. April 2016.